Jahresbrief 2013

Jahresbrief aus Panatau

Auf Englisch verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin
Übersetzt von Ann von Schumacher

 

Liebe Gönnerinnen und Gönner

Mit diesem Brief möchte ich Euch einen Einblick in den Alltag von Panatau geben.

In unserer „Heim-Familie“ leben nun noch neun junge Menschen. Sie sind nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit und in den Ferien in verschiedene Aktivitäten eingebunden. Diese sollen sie darin unterstützen, zu Persönlichkeiten heranzureifen, die später ein unabhängiges Leben ausserhalb des Heimes meistern können.

So gehen zum Beispiel Florin und Andrei jedes Wochenende in einen Standard Tanzkurs. Sie konnten bereits einige Male an Ausscheidungen teilnehmen und haben dabei auch Preise gewonnen. Diese Erfolgserlebnisse sind für die beiden Jungen von grosser Bedeutung. Wir sind stolz auf sie und freuen uns mit ihnen an den Medaillen.

Im Heim kochen wir gemeinsam mit den Jugendlichen, ebenso wird das Haus gemeinsam geputzt und es werden kleinere Reparaturen ausgeführt. Diesen Sommer haben wir zum Beispiel ein paar Zimmer, die es dringend benötigten, renoviert. Dadurch konnten die Jugendlichen zur Gestaltung einer angenehmen Lebensumgebung beitragen.

In Poieni haben wir einen grossen Garten angelegt, in welchem wir Gemüse anpflanzen. Die verschiedenen Gemüse sind nicht nur für den Eigenbedarf geplant, sondern wir haben auch Kunden aus Bukarest, die jede Woche einen Harass voller Gemüse erhalten. Der Erlös fliesst in den Unterhalt des Gartens und des Hauses.

Unsere Elena ist nun 19 Jahre alt und besucht die letzte Klasse des Gymnasiums. In den Sommerferien hat sie in einem Restaurant in Bukarest gearbeitet. Diese Arbeitserfahrung wird für ihre berufliche Zukunft nützlich sein.

Neben dem Dorfschulhaus betreibt der Verein Amurtel, zusammen mit der Gemeinde Panatau, einen Schülerhort für Kinder aus armen Familien. Während der Sommerferien haben sie gemeinsam verschiedene Aktivitäten organisiert. Unsere Jugendlichen haben dabei eine aktive Rolle übernommen. Sie haben Tanzabende organisiert und Filme vorgeführt. Sie haben Holzgegenstände bemalt und beim Renovieren der Räume geholfen. Einmal haben sie den alten Menschen vom Dorf eine warme Mahlzeit nach Hause gebracht. Im Gegenzug wurde unseren Jugendlichen von ehrenamtlichen Mitarbeitern von Amurtel das Pfeilbogenschiessen gezeigt und es wurde Feuerakrobatik trainiert.

In der zweiten Hälfte der Sommerferien hatten unsere Jugendlichen die Möglichkeit, während fünf Tagen an einem Abenteuercamp teilzunehmen. Dieses fand in Sovota im Bezirk Targu Mures statt und wird durch die Organisation „Outward Bond“ angeboten. Die meiste Zeit verbrachten die Jugendlichen in der Natur, wo sie herausfordernde Aufgaben meistern mussten. Ziel dieses Lagers war es, durch bestimmte „Abenteuer“ die Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen, Führungseigenschaften zu proben und Probleme gemeinsam zu lösen.

Für die Angestellten des Heimes neigt sich wieder ein Jahr voller Herausforderungen dem Ende zu. Es braucht immer wieder viel Einfühlungsvermögen, um auf die Jugendlichen mit ihren biographisch bedingten, vielfältigen Schwierigkeiten einzugehen. Es braucht aber auch täglich viel Durchsetzungskraft, um mit ihnen immer wieder aufs Neue daran zu arbeiten. Mit viel Motivation haben wir deshalb an einem dreitägigen Weiterbildungskurs teilgenommen. Wir hatten dort gemeinsam als Team die Gelegenheit, eine Distanz zu den alltäglichen Problemen zu schaffen, uns auszutauschen und mit neuen Ideen wieder an die Arbeit zu gehen.

Das Ziel, unsere Jugendlichen in die Arbeitswelt zu integrieren, werden wir bei den meisten nur in kleinen Schritten erreichen. Die stark lernbehinderten in der Gruppe werden es wohl nie erreichen. In Rumänien fehlt es an geschützten Arbeitsplätzen und Brückenprogrammen. Es wird weiterhin viel Ausdauer benötigen, sie in diesem Prozess zu begleiten.

Die Jugendlichen und MitarbeiterInnen des Kinderheimes Panatau bedanken sich ganz herzlich für Ihre weiterhin benötigte Unterstützung!