Jahresbrief 2015

Panatau – Rückblick 2015

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

Dank Ihrer treuen Unterstützung und unserem stetigen Bemühen ist es auch dieses Jahr ge-lungen, unseren Youngsters die nötigen materiellen und moralischen Grundlagen für ein gutes Leben im Heim anbieten zu können. Das Ziel unserer Arbeit bleibt dasselbe: Die jungen Men-schen sollen – ihren Ressourcen entsprechend – dereinst ein möglichst selbständiges Leben führen können.

In den letzten Jahren haben einige Jugendliche das Heim verlassen – stets Richtung Bukarest. Einerseits gibt es dort am meisten Arbeitsplätze, andererseits wollen die meisten ohnehin die ländliche und in mancherlei Hinsicht rückständige Region verlassen. Das Betreuungsteam pflegt mit allen „Ausgeflogenen“ regelmässigen Kontakt. Wenn immer nötig, stehen wir ihnen zur Seite. Das ist öfter der Fall, als wir uns das manchmal wünschen, denn der Schritt in das Berufsleben gestaltet sich für diese Jugendlichen ausserordentlich schwierig. Dies hängt massgeblich mit der immer noch nicht vorhandenen sozialen Infrastruktur in Rumänien zu-sammen. Dieser Umstand erschwert es unseren in verschiedener Hinsicht benachteiligten Ju-gendlichen, in der Gesellschaft Fuss zu fassen. In der Schweiz würde diesen jungen Menschen ein breites Spektrum von Arbeitsstellen auf dem zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, und sie würden auf ihrem Weg in die Selbständigkeit durch Jugendcoachs begleitet. In Rumä-nien sind sie ohne unsere Unterstützung gänzlich auf sich gestellt. Sie würden nicht einmal Sozialhilfebeiträge erhalten, denn für den Lebensunterhalt ist bis heute das familiäre Netz verantwortlich.

Damit wir die Jugendlichen, die noch im Heim wohnen, bestmöglich auf diese Situation vor-bereiten können, haben wir in der Umgebung von Panatau sogenannte „geschützte Arbeits-plätze“ für sie geschaffen. Wir arbeiten beispielsweise mit der Pension Valea Lupului zu-sammen, in welcher die Jungs und Mädels in ihrer Freizeit stundenweise als Hilfskraft in den verschiedenen Bereichen mithelfen können. Dort werden sie entsprechend ihren Möglichkei-ten gefördert, ohne dass sie bereits in der freien Marktwirtschaft bestehen müssen. Weiter

arbeiten sie auf unserem Bio-Gemüsehof mit. Dort sind sie in den ganzen Kreislauf der Ge-müseproduktion eingebunden. Für Ionut, Andrey und Daniel sollen hier aufgrund ihrer geisti-gen Beeinträchtigung längerfristige Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Um das eigenständige Leben auch im privaten Bereich einzuüben, geben wir unseren Jungen die Gelegenheit, ihre Zimmer ganz nach ihrem Geschmack einzurichten. Aus den Hilfsgütern, die nach wie vor aus der Schweiz eintreffen, dürfen sie sich die Möblierung und Dekorations-gegenstände aussuchen und so ihre Umgebung gestalten.

Auch dieses Jahr sind wir im Herbst damit beschäftigt, die Vorräte für den Winter vorzuberei-ten. Wir frieren das eigene Gemüse ein, stellen Eingemachtes her und es werden verschiedene Konfitüren gekocht und abgefüllt. Die Jugendlichen helfen dabei, sodass sie auch in diesem Bereich auf das eigenständige Leben vorbereitet werden. Solche pädagogischen Überlegun-gen werden in staatlichen Heimen oft noch nicht praktiziert.

Wir achten auch darauf, dass die Jungen lernen, mit ihrer Freizeit sinnvoll umzugehen. Ge-sellschaftliche Fähigkeiten, aber auch Erholung – beides ist wichtig und hat seinen Stellen-wert. Wir befürworten deshalb, dass sich unsere Jungen mit gleichaltrigen aus dem Dorf tref-fen und an verschiedenen kulturellen und traditionellen Anlässen teilnehmen. Geburtstage, Sportanlässe, Wanderungen und Exkursionen stellen wichtige Ereignisse im Jahresablauf dar. Das fünftägige Pfadfinderlager während der Sommerferien stellt jedes Jahr den absoluten Hö-hepunkt dar! Die Jugendlichen sind jeweils ganz aufgeregt vor Vorfreude und „zehren„ noch lange von dem dort erlebten Abenteuer.

Zurzeit stehen wir in engem Kontakt mit den Kreisbehörden für Kindesschutz. Wir möchten jungen Frauen, die teilweise noch vor Erreichen der Volljährigkeit aus staatlichen Heimen austreten, die Möglichkeit bieten, von unseren bewährten Strukturen und unserer grossen Er-fahrung zu profitieren. Wie bereits erwähnt, wurden sie oft kaum auf das Leben ausserhalb der Institution vorbereitet. Wir wollen deshalb in einem Teil unseres Hauses eine begleitete Wohngruppe einrichten, damit sie nicht durch das Netz fallen beim Schritt aus einem „vollbe-treuten“ in ein „völlig eigenständiges“ Leben. Somit hat unser seit zwanzig Jahren bestehen-des Projekt eine Zukunft mit Strahlkraft für die ganze Region.

Damit das Kinderheim Panatau weiterhin bestehen und ein Zuhause für die Jungen sein kann, sind wir auf Ihre Treue angewiesen. Im Namen aller Jugendlichen, MitarbeiterInnen sowie des Vereins danken wir einmal mehr ganz herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung.