Jahresbrief 2016

Panatau – Rückblick 2016

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

Im vergangenen Jahr fanden zwei wichtige Ereignisse statt. Das eine war das 20-jährige Ju-biläum des Kinderheimes, das andere der Einzug von vier Geschwistern.

Das Jubiläumsfest soll als Anlass dienen, einen kurzen Rückblick auf bewegte Jahre vorzu-nehmen.

Im Jahre 1995 nahm das Kinderheim achtzehn Kinder auf, welche zuvor in staatlichen Hei-men unter unwürdigen Umständen lebten. Das neu zusammengestellte Betreungsteam musste sich nun mit achtzehn teilweise äusserst schwierigen Lebensgeschichten auseinandersetzen und immer wieder nach individuellen Lösungen für die mehrheitlich traumatisierten Kinder suchen. Das Engagement zahlte sich aus – nach einer gewissen Zeit war im Haus das erste Lachen zu vernehmen und kindlicher Übermut und Schabernack ersetzten immer häufiger das tiefsitzende Gefühl von Unsicherheit.

Aus den Kindern sind mittlerweile junge Erwachsene geworden und die meisten haben, wenn auch mit vielen Umwegen, ihren Platz im Leben gefunden. Timea und Iosif haben geheiratet, Magdalena und ihr Partner leben mit der gemeinsamen Tochter zusammen, Elvira hat kürzlich ein Mädchen zur Welt gebracht und lebt mit ihm bei ihrem neuen Freund.

Das 20-jährige Bestehen des Heimes feierten die Angestellten und Jugendlichen zusammen mit Freunden, einigen langjährigen Spendern, politischen Amtsträgern aus dem Bezirk sowie mit Angestellten von anderen Kinderheimen aus der Region. Es wurden erheiternde, aber auch berührende Ansprachen gehalten. In den Reden der Mitarbeitenden wurde beispielsweise von den Anfängen des Projektes erzählt, als man in einfachsten – gar primitivsten – Verhält-nissen ohne jegliche Infrastruktur lebte. Betrachtet man das schmucke Haus heute, ist dies kaum mehr vorstellbar. Zur Unterhaltung zeigten die Jugendlichen Ausschnitte aus Theater-stücken, welche sie während vielen Jahren für die lokale Bevölkerung aufgeführt hatten. Alle Jugendlichen waren anwesend, auch diejenigen, die nicht mehr im Heim wohnen. Die Stim-mung war ausgelassen und unbeschwert.

Nun zum zweiten wichtigen Ereignis des letzten Jahres. Wie bereits erwähnt, sind vier Kin-der in das Heim eingezogen. Die Mädchen lebten zusammen mit zwei weiteren Geschwis-tern und ihren Eltern im Nachbarsdorf. Schon vor längerer Zeit wurde der Kinderschutzbund auf die unhaltbaren Zustände in der Familie aufmerksam gemacht.

Die Familie lebte in zwei kleinen Zimmern, in welchen weder eine sanitäre Einrichtung, noch eine Kochgelegenheit oder Elektrizität vorhanden waren. Gekocht wurde draussen auf dem offenen Feuer. Die Zimmer verfügten über keinerlei Mobiliar und es gab kaum genügend Platz zum Schlafen für alle. Die Behörde versuchte erfolglos, die alkoholabhängigen und ar-beitslosen Eltern mit verschiedenen Massnahmen zu unterstützen.

Vor zwei Jahren wurden deshalb die beiden älteren Mädchen in einem staatlichen Kinderheim und die beiden Kleineren in verschiedene Pflegefamilien platziert. Die vier Geschwister wa-ren somit an drei verschiedenen Orten untergebracht. Die Eltern konnten sie wegen der gros-sen Distanzen und dem fehlenden Fahrgeld kaum besuchen, und die Mädchen litten sehr unter der Trennung. Deshalb suchte die zuständige Behörde für die Kinder einen Ort, wo sie zu-sammen leben können.

Obschon der örtliche Vorstand des Kinderheims Panatau nicht plante, erneut jüngere Kinder aufzunehmen, konnte er die entsprechende Anfrage der Behörde in dieser Situation nicht ab-lehnen – und die Vier zogen im Frühling dieses Jahres ein. Nun können sowohl die Eltern als auch die beiden ältesten Geschwister die Mädchen häufiger besuchen.

Das älteste Mädchen, Nicoleta (11), geht in die vierte Klasse. Sie hat erhebliche gesundheitli-che Probleme und ist auf teure Medikamente und aufwändige Betreuung angewiesen. Das zweitälteste Mädchen, Andrea (9), geht in die zweite Klasse. Georgiana (6) geht in die Vor-schulklasse, und Alexandru (3) besucht den Kindergarten. Alle vier Kinder schlafen im glei-chen Zimmer und sind froh darüber, wieder zusammen zu sein. Sie haben sich gut im Heim eingelebt und sind auch in der neuen Schule und im Kindergarten freundlich empfangen wor-den.

Derzeit plant die Kinderschutzgruppe des Bezirks Panatau eine weitere Platzierung von zwei jüngeren Geschwistern im Heim.

Damit das Kinderheim Panatau weiterhin bestehen und ein Zuhause für die neuen Kinder und verbleibenden Jugendlichen sein kann, sind wir auf Ihre Treue mehr denn je angewiesen. Im Namen aller Jugendlichen, Angestellten sowie des Vereins danken wir einmal mehr ganz herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung.