Jahresbrief 2019

An die Freundinnen und Freunde, Gönnerinnen und Gönner des Kinderheimes Panatau

The bicycle team!

In diesem Jahr sind die letzten drei Kinder bei uns eingezogen. George, der älteste von allen, sowie die Geschwister Alina und Ion. Nun ist das Heim mit insgesamt elf neuen Kindern aus- gelastet.

Alina (13) und Ion (12) wurden nach dem Tod ihrer alleinerziehenden Mutter bei ihrer Gross- mutter untergebracht. Die alte, in grosser Armut lebende Frau war jedoch mit der Fürsorge der beiden Kinder überfordert, sodass sie zu uns nach Panatau kamen. Ion verfügt nur über einen sehr kleinen Wortschatz und geringes Selbstvertrauen. Er hat immer noch Respekt vor ihm unbekannten Situationen, sodass er oft ermutigt werden muss, Neues auszuprobieren. Als die Gruppe mit dem Auto einen Ausflug machen und abfahren wollte, versteckte er sich beispiels- weise hinter dem Haus. Auf dem Fahrrad, das ihm bald nach seiner Ankunft geschenkt wurde, fühlt er sich hingegen pudelwohl. In den Rasen vor dem Haus haben sich bereits tiefe Spuren eingegraben, so oft fährt er «seine» Rennstrecke mit grossem Elan ab. Alina, seine jüngere Schwester, ist seit ihrer Ankunft schon merklich aufgeblüht. Sie hat mittlerweile weniger Mühe, sich situationsgerecht auszudrücken, und sie hat sogar ein neues Hobby entdeckt: Lesen! Man findet sie oft auf dem Sofa, tief in eine Geschichte versunken.

Beide Geschwister feierten kürzlich ihren Geburtstag – und beide erhielten ihren ersten richti- gen Geburtstagskuchen mit Kerzen, dazu ein begleitendes Lied und ein paar kleine Geschenke. Die Situation war für sie so aussergewöhnlich, dass sie wie erstarrt wirkten. Beim Öffnen der Geschenke stellten sie sich ungeschickt an, sie getrauten sich kaum, das Papier aufzureissen. Nun werden sie, gemeinsam mit den anderen Kindern, noch einige Geburtagsfeiern miterleben und sich sicherlich bald an die positive Aufmerksamkeit gewöhnen.

George (16) gehört zu den Kindern, die bei Eintritt ins Heim nie eine Schule besucht haben. Seit er sieben Jahe alt ist, musste er unter miserablen Bedingungen arbeiten, um ein Zusatz- Einkommen für seinen alkoholabhängigen Vater zu verdienen. Die Mutter hat sich schon früh «aus dem Staub» gemacht. Was er kann, hat er sich selbst beigebracht, dennoch fehlen ihm

Ann Schumacher, Eichstrasse 88, 8713 Uerikon, Tel. 044 / 923 40 89 Email: kinderheimpanatau@gmail.com

wesentliche Grundlagen beim Schreiben, Lesen und im Allgemeinwissen. George ist ein äus- serst charmanter Jüngling. Wenn er lächelt, strahlt sein ganzes Gesicht. Er ist aber auch ein richtiges Schlitzohr und steckt zudem mitten in der Pubertät – und fodert so das Team immer wieder stark heraus.

Lustig, aber auch etwas anstrengend, ist die Tatsache, dass alle unsere vorpubertären Teens quasi über Nacht auch in die Pubertät geraten zu sein scheinen – in ihrem Bestreben, dem char- manten Neuankömmling zu gefallen und ihm nachzueifern.

Wir könnten Ihnen an dieser Stelle noch viel von den anderen Kindern berichten. Einige von ihnen haben sich im letzten Jahr beachtlich weiterentwickelt und wir durften insgesamt viele schöne Veränderungen miterleben. Leider würde das den Rahmen dieses Briefes sprengen. Aber seien Sie versichert: Nächstes Jahr erfahren Sie mehr.

Für diejenigen von Ihnen, welche die letzte Generation von Kindern über die Jahre begleitet bzw. finanziell unterstützt haben, gibt es eine schöne kleine Anektote: Elena, Bogdan und Ste- fan verfügen nun über ihr eigenes, bescheidenes Einkommen. Dank Ihrer Vorbildrolle haben sie sich dafür entschieden, die Patenschaft für eines der neuen Kinder zu übernehmen. Sie sind sich bewusst, dass sie dadurch etwas von dem weitergeben können, was sie selbst über viele Jahre erhalten haben.

Zuguterletzt möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass wir mit den Kindern möglichst viele Aktivitäten durchführen, die dazu beitragen, ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. Es han- delt sich um Ausflüge und Spiele, die den Gruppenzusammenhalt stärken indem es erforderlich ist, gemeinsam und spielerisch Lösungen für vorgegebene Abenteuer zu finden, die alleine nicht bewältigt werden könnten. So erleben sie schöne und lehrreiche Momente.

Dies alles ist nur Dank Ihnen möglich!
Liebe Spenderinnen und Spender, wir bedanken uns im Voraus ganz herzlich für jede Spende.