Jahresbrief 2014

Jahresbrief aus Panatau

Auf Englisch verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin (September 2014) Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Gönnerinnen und Gönner

Vorab danken wir Ihnen herzlich für Ihre Spenden. Mit Ihrer Unterstützung konnten wir auch dieses Jahr viele der Ziele erreichen, die wir uns gesteckt hatten.

Zurzeit leben noch neun junge Menschen in unserer „Heim-Familie“. Stefans Versuch, bei seiner Mutter in Spanien zu leben, ist nicht gelungen. Er ist deshalb wieder nach Panatau zu-rückgekehrt. Dafür ist Elvira mit 24 Jahren endgültig ausgezogen. Sie hat sich einer Pfingst-gemeinde angeschlossen. Der neu gefundene Glaube hilft ihr im Umgang mit ihrer äusserst schwierigen Biographie.

Zwei unserer Jungs, Ionuts und Florin, konnten diesen Sommer die Primarschule abschlies-sen. Das grosse Schulabschlussfest war ein wichtiger Moment in ihrem Leben. Von nun an werden die beiden eine andere Schule besuchen und viele neue Menschen kennenlernen. Ele-na schloss dieses Jahr das Gymnasium ab. Für sie ist noch nicht klar, wie es weitergehen soll – welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchte. Bogdan wurde dieses Jahr volljährig. Er durfte nun endlich die langersehnten Fahrstunden nehmen. Florin und Andrei besuchen wei-terhin ihren Tanzunterricht. Sie tun dies mit viel Spass und einigem Erfolg.

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass wir in Poieni, 10 km von Panatau entfernt, einen gros-sen Bio-Gemüsegarten haben. Das Gemüse dient hauptsächlich der Selbstversorgung, es wird aber auch nach Bukarest verkauft. Der Erlös kommt dem Heim zugute. Unsere Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich dort ihren ersten Lohn zu erwerben. Für einige soll er später auch als geschützter Arbeitsplatz dienen – etwas, was es in Rumänien leider immer noch nicht gibt. Auch in der von Cornelia Fischer aufgebauten Pension Valea Lupului haben einige Jugendli-che die Möglichkeit, während der dreimonatigen Sommerferien oder an einem speziellen Festanlass im geschützten Rahmen in verschiedene Arbeitsbereiche eingeführt zu werden und ein kleines Taschengeld zu verdienen. Es wird jede Woche ein neuer Arbeitsplan erstellt, auf dem die verschiedenen Arbeiten zugeteilt werden. Die Ämtlis sind bei den Jugendlichen sehr beliebt, sie streiten sich manchmal regelrecht darum.

Dank Ihrer Spende konnten wir in diesem Jahr dreissig Hühner kaufen. Die Jugendlichen kümmern sich mit viel Hingabe um das Federvieh. Nun kann auch der Bedarf an frischen Ei-ern aus dem eigenen Bestand gedeckt werden. Sie können sich nicht vorstellen, welchen Ap-petit unsere Halbwüchsigen haben! Jeden Tag muss eine grosse Menge Essen für die „Rassel-bande“ zubereitet werden.

Wir sind in Panatau aber nicht nur am Arbeiten, sondern wir gehen auch anderen wertvollen Aktivitäten nach. Auch dieses Jahr durften die Kids fünf Tage lang verreisen – und weil es ihnen im letzten Jahr so gut gefallen hat, taten sie dies wiederum mit der Organisation „Out-ward Bound“. Dieses Mal übernachteten sie im Zelt in den Bergen. Um zu dem Zeltplatz zu Postcheckkonto 80-500-4, Credit Suisse Zürich, zugunsten Konto 302 11-11 Kinderheim Panatau

gelangen, musste die Gruppe zuerst selber eine Seilbrücke über dem Bach installieren. Das Essen musste selber mitgebracht und das Wasser vor Gebrauch abgekocht werden. In der Nacht war es so heiss, dass niemand im Zelt, sondern alle draussen unter dem Sternenhimmel schliefen. Ihren Mut konnten die „Youngsters“ in der Kletterwand oder in allerlei Gruppen-übungen beweisen.

Unseren beiden behinderten Jugendlichen Ionuts und Pria konnten wir wiederum Ferien in einem Behindertenheim in Bukarest ermöglichen. Das private Heim Prietenia (Freundschaft) bietet Betreuung und Aktivitäten an, die speziell auf die Bedürfnisse von Behinderten abge-stimmt sind. Pria und Ionuts freuen sich jeden Sommer auf diese Abwechslung und sie warten jeweils ungeduldig darauf, ihre Freunde von dort wieder zu sehen. Das Heim bietet allerdings nur Wochenplätze an, an den Wochenenden kehren die Jugendlichen zu ihren Familien heim. Ionuts und Pria durften ausnahmsweise zu einer Angestellten nach Hause. Leider kommt das Heim aus diesem Grund nicht als längerfristige Lösung für Ionuts und Pria in Frage.

Nun denn: Auch der schönste Sommer geht vorbei und wir dürfen wie immer nicht vergessen, unsere Vorratskammer für den Winter aufzufüllen. Wir haben bereits die verschiedensten Gemüsesorten verarbeitet und entweder in Gläser abgefüllt oder zum Tiefgefrieren einge-packt. Nach der Gemüsesaison kommt nun die Zeit des Obstes, welches wir zu Kompott und Konfitüre verarbeiten werden.

Nach den langen Sommerferien bereiten sich unsere Schüler und Schülerinnen auf das neue Schuljahr vor – es mussten somit auch dieses Jahr Schuluniformen, Bücher und Hefte gekauft werden.

Die Jugendlichen und MitarbeiterInnen des Kinderheimes Panatau danken einmal mehr für Ihre wertvolle Unterstützung.

Das Vorstandsteam schliesst sich diesem Dank an und verbleibt mit den besten Grüssen.

Jahresbrief 2013

Jahresbrief aus Panatau

Auf Englisch verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin
Übersetzt von Ann von Schumacher

 

Liebe Gönnerinnen und Gönner

Mit diesem Brief möchte ich Euch einen Einblick in den Alltag von Panatau geben.

In unserer „Heim-Familie“ leben nun noch neun junge Menschen. Sie sind nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit und in den Ferien in verschiedene Aktivitäten eingebunden. Diese sollen sie darin unterstützen, zu Persönlichkeiten heranzureifen, die später ein unabhängiges Leben ausserhalb des Heimes meistern können.

So gehen zum Beispiel Florin und Andrei jedes Wochenende in einen Standard Tanzkurs. Sie konnten bereits einige Male an Ausscheidungen teilnehmen und haben dabei auch Preise gewonnen. Diese Erfolgserlebnisse sind für die beiden Jungen von grosser Bedeutung. Wir sind stolz auf sie und freuen uns mit ihnen an den Medaillen.

Im Heim kochen wir gemeinsam mit den Jugendlichen, ebenso wird das Haus gemeinsam geputzt und es werden kleinere Reparaturen ausgeführt. Diesen Sommer haben wir zum Beispiel ein paar Zimmer, die es dringend benötigten, renoviert. Dadurch konnten die Jugendlichen zur Gestaltung einer angenehmen Lebensumgebung beitragen.

In Poieni haben wir einen grossen Garten angelegt, in welchem wir Gemüse anpflanzen. Die verschiedenen Gemüse sind nicht nur für den Eigenbedarf geplant, sondern wir haben auch Kunden aus Bukarest, die jede Woche einen Harass voller Gemüse erhalten. Der Erlös fliesst in den Unterhalt des Gartens und des Hauses.

Unsere Elena ist nun 19 Jahre alt und besucht die letzte Klasse des Gymnasiums. In den Sommerferien hat sie in einem Restaurant in Bukarest gearbeitet. Diese Arbeitserfahrung wird für ihre berufliche Zukunft nützlich sein.

Neben dem Dorfschulhaus betreibt der Verein Amurtel, zusammen mit der Gemeinde Panatau, einen Schülerhort für Kinder aus armen Familien. Während der Sommerferien haben sie gemeinsam verschiedene Aktivitäten organisiert. Unsere Jugendlichen haben dabei eine aktive Rolle übernommen. Sie haben Tanzabende organisiert und Filme vorgeführt. Sie haben Holzgegenstände bemalt und beim Renovieren der Räume geholfen. Einmal haben sie den alten Menschen vom Dorf eine warme Mahlzeit nach Hause gebracht. Im Gegenzug wurde unseren Jugendlichen von ehrenamtlichen Mitarbeitern von Amurtel das Pfeilbogenschiessen gezeigt und es wurde Feuerakrobatik trainiert.

In der zweiten Hälfte der Sommerferien hatten unsere Jugendlichen die Möglichkeit, während fünf Tagen an einem Abenteuercamp teilzunehmen. Dieses fand in Sovota im Bezirk Targu Mures statt und wird durch die Organisation „Outward Bond“ angeboten. Die meiste Zeit verbrachten die Jugendlichen in der Natur, wo sie herausfordernde Aufgaben meistern mussten. Ziel dieses Lagers war es, durch bestimmte „Abenteuer“ die Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen, Führungseigenschaften zu proben und Probleme gemeinsam zu lösen.

Für die Angestellten des Heimes neigt sich wieder ein Jahr voller Herausforderungen dem Ende zu. Es braucht immer wieder viel Einfühlungsvermögen, um auf die Jugendlichen mit ihren biographisch bedingten, vielfältigen Schwierigkeiten einzugehen. Es braucht aber auch täglich viel Durchsetzungskraft, um mit ihnen immer wieder aufs Neue daran zu arbeiten. Mit viel Motivation haben wir deshalb an einem dreitägigen Weiterbildungskurs teilgenommen. Wir hatten dort gemeinsam als Team die Gelegenheit, eine Distanz zu den alltäglichen Problemen zu schaffen, uns auszutauschen und mit neuen Ideen wieder an die Arbeit zu gehen.

Das Ziel, unsere Jugendlichen in die Arbeitswelt zu integrieren, werden wir bei den meisten nur in kleinen Schritten erreichen. Die stark lernbehinderten in der Gruppe werden es wohl nie erreichen. In Rumänien fehlt es an geschützten Arbeitsplätzen und Brückenprogrammen. Es wird weiterhin viel Ausdauer benötigen, sie in diesem Prozess zu begleiten.

Die Jugendlichen und MitarbeiterInnen des Kinderheimes Panatau bedanken sich ganz herzlich für Ihre weiterhin benötigte Unterstützung!