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Jahresbrief 2020

Von März bis Mai befand sich auch Rumänien im Ausnahmezustand. Die Leute durften sich nur noch mit speziellen Genehmigungen auf der Strasse bewegen und es mussten viele Polizei-Kontrollpunkte passiert werden. Für das Kinderheim stellte es eine grosse Herausforderung dar, mit dem vorhandenen Personal zwölf Kinder einzeln zu beschulen. Von den verschiedenen Lehrern traf eine Flut von Mails mit den zu lösenden Hausaufgaben ein. Das Personal wurde unter eine vorsorgliche Quarantäne gestellt. Das bedeutet, dass die Angestellten in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Diese mussten jeweils zwei Wochen am Stück arbeiten, und sie durften abends nicht nach Hause. Dabei galt es, die Kinder auch nach dem Homeschooling bei Laune zu halten. Es wurden viele Spiele erfunden, die man gemeinsam im grossen Garten spielen kann. So wurde beispielsweise das Gelände ums Haus kartografiert und der Sonnenstand und die Schattenwürfe beobachtet. Natürlich wurde auch Trampolin gesprungen, Velo gefahren sowie viel im Sand gebuddelt. Die wachsende Zahl von Häschen erfreute sich besonders vieler Streicheleinheiten und auch die zwei geretteten jungen Kätzchen wurden kaum mehr aus der Hand gegeben. Alle gewöhnten sich schnell daran, Masken zu tragen und sich bei einem eigens dafür komponierten Lied mehrmals täglich die Hände zu waschen.

Während der dreimonatigen Sommerferien legten wir viel Wert darauf, dass die Kinder den Sommer so unbeschwert wie möglich geniessen konnten. Wir durften wieder Velotouren machen und die älteren Kinder unternahmen, in kleine Gruppen unterteilt, Ausflüge ans Meer. Didi bot den Jugendlichen an, sie für ein paar Tage einzeln in Bukarest zu besuchen. Dies ermöglichte ihnen, einmal die ganze Aufmerksamkeit einer erwachsenen Person für sich alleine zu haben und es bot eine willkommene Abwechslung zum Heimalltag. Zudem sollte mit der Reise von Panatau in die Stadt die Selbständigkeit gefördert werden.

Leider gab es kürzlich in unserem Bezirk in einem Altersheim sowie in einem Heim für Kinder mit Beeinträchtigungen Corona-Herde, weswegen wir ein zweites Mal in vorsorgliche Quarantäne gesteckt wurden. Das war für alle eine besonders schwere Zeit.

Im letzten Jahresbrief haben wir erwähnt, dass das Heim mit elf Kindern ausgelastet ist. Trotzdem haben wir im Sommer die 12-jährige Cristina bei uns aufgenommen. Sie ist das älteste von fünf Geschwister, und sie hat wie alle Kinder bei uns starke Vernachlässigung, aber auch Missbrauch erlebt. Bevor sie zu uns stiess, war sie in einer Notfallstation untergebracht, wo sie während des Lockdowns das Gebäude nicht verlassen durfte. Sie hat sich sehr über die Bewegungsfreiheit im grossen Garten gefreut.

Wir würden Ihnen an dieser Stelle gerne über alle Kinder berichten, aber das ist leider nicht möglich. Wir beschränken uns deshalb auf ein paar kurze Informationen. Gabi und Georgina haben in der Schule in kurzer Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht. Alex und seine Schwester Andrea besuchen regelmässig den Logopädie-Unterricht. Auch bei ihnen kann man eine grosse Entwicklung in den sprachlichen Fertigkeiten beobachten. Ihre Schwester Nicoletta hat die nötigen Zahnoperationen erhalten, und sie ist nun überglücklich, «fast normale Zähne» zu haben. Nicu und Dani geniessen ihr neues Hobby Fussball in vollen Zügen – sofern sie aufgrund der besonderen Umstände in der Gruppe spielen dürfen. Es gibt aber auch eine traurige Nachricht. Der Vater von Nicu und Gabi ist wegen eines unbehandelten Beinbruchs, der zu Wundbrand führte, gestorben. Die beiden haben aufgrund der schwerwiegenden Vernachlässigung durch die Eltern bereits zwei Geschwister verloren (vgl. Jahresbrief 2018). 

Zum Abschluss soll hier aber noch eine schöne Rückmeldung erfolgen. Eine ausserordentliche Spende ermöglichte uns, einen Raum mit drei Computern auszurüsten. Auf diese haben wir kindgerechte Spiele und Programme installiert, sodass die Kids nicht nur spielerisch tolle Lernerfahrungen machen können, sondern die Älteren auch lernen, wie man eine E-Mail schreibt und im Internet Nachforschungen betreibt. Das Interesse daran ist sehr gross.

Einmal mehr bedanken wir uns also sehr herzlich für Ihre treue Unterstützung! Dank dieser können die Kinder ihre Kindheit zurückerobern, und sie werden bei der Heilung ihrer Traumata unterstützt. Sie helfen uns dabei, die Ressourcen der Kinder zu fördern und ihnen eine echte Chance für die Zukunft zu bieten.

Rumänienreise

Rumänienreise

durch Siebenbürgen und Besuch des Kinderheims und der Kinder in  Panatau vom 10. bis 19. September 2020

Unsere Reise führt uns über die Südkarpaten und durch Siebenbürgen, das Herz Rumäniens. Der Besuch des Kinderheims und der Kinder in Panatau ist der Höhepunkt dieser Rundreise durch ein schönes, vielfältiges, aber oft unterschätztes Land.

Das Kinderheim in Panatau

 

Das vorgesehene Reiseprogramm:

 

Donnerstag, 10 September: Flug mit SWISS von Zürich 12.00 nach Bukarest 15.20 / Fahrt mit Kleinbus nach Horezu und Übernachtung in einer Pension im Dorf.

 

 Freitag, 11. September:            Besuch des Klosters Horezu* und einer Keramikwerkstatt im Dorf (Horezu ist in ganz Rumänien bekannt für seine Keramik). Überquerung der Südkarpaten über die Transalpina-Hochstrasse. Durch schöne Dörfer geht es weiter ins Dorf Sibiel in der Umgebung von Sibiu. Übernachtung in einer Privatpension / Volkstanz- und Volksmusikabend. 

UNESCO-Weltkulturerbe, das Kloster Horezu

 

 

Samstag, 12. September:          Stadtführung in deutscher Sprache durch Sibiu (Hermannstadt), der europäischen Kulturhauptstadt 2007. Weiterfahrt durch das schöne Harbachtal nach Mosna (Meschen) und Mittagessen bei einer Biobauernfamilie. Auf der Fahrt nach  Sighisoara* (Schässburg) ev. Besuch der Kirchenburg von Biertan* (Birthälm), 300 Jahre Bischofssitz der reformierten Kirche. Zwei Übernachtungen in einer Pension auf der Burg von Sighisoara. Stadtspaziergang.

 

Auf der Burg von Sighisoara/Schässburg

 

Sonntag, 13. September:           Fahrt in den Bezirk Harghita mit einer mehrheitlich ungarisch sprechenden Bevölkerung. Besuch des Töpferdorfes Corund und der Salinen von Praid. Ev. Dampfbahnfahrt oder Baden im Heliothermalsee Lacu Ursu in Sovata. Rückfahrt nach Sighisoara durch schöne Dörfer über Balauseri. Auf Wunsch besteht die Möglichkeit unterwegs bei Kaffee und Kuchen eine Gabor-Romafamilie kennen zu lernen.

Spaziergang in den Salinen von Praid

Montag, 14. September:           Fahrt ins schöne Sachsendorf Viscri* (Deutsch-Weisskirch). Besuch des Dorfes und der Wehrkirche. Weiterfahrt nach Brasov (Kronstadt). Übernachtung in Pension oder Hotel in der Altstadt. Stadtspaziergang mit Besuch der Schwarzen Kirche.

 

Dienstag, 15. September:          Auf Wunsch können der Bärenpark in Zarnesti, die Bauernburg in Rasnov oder das (Dracula)-Schloss Bran am Vormittag besucht werden. Auf der Fahrt nach Valea Lupului und Panatau sehen wir uns eine der schönsten Wehrkirchen Siebenbürgens* in Harman (Honigberg) oder Prejmer (Tartlau)  an. Unterkunft für 4 Nächte in der Pension Valea Lupului (www.valealupului.com). Cornelia Fischer erzählt über die Entstehung und Entwicklung des Kinderheims in Panatau und wird die Reisegruppe bis zur Rückkehr nach Bukarest begleiten.

 Im Innenhof der Wehrkirche von Harman /      Honigberg

 

Mittwoch, 16. September:        Der Vormittag steht zur freien Verfügung und kann für eine Massage in der Pension oder für einen Spaziergang zum Fluss Buzau und über die dortigen Hängebrücken genützt werden. Am Nachmittag steht der Besuch des Kinderheimes  (www.vereinkinderheim.com) und ein Spaziergang mit den Kindern durch Panatau auf dem Programm.

 

Schöner Blick über den Siriu-Stausee, auf dem Weg nach Panatau

Donnerstag, 17. September: Schöne Wanderung zum Kloster Carnu und Gespräch mit den orthodoxen Klosterfrauen. Mittagessen im Kloster. Abstieg über Tega ins Buzautal  (Wanderzeit ca. 2,5 Std.). Besuch des Amurtel Gemüsegartens.

 

Freitag, 18. September: Besuch der Schlammvulkane bei Berca. Besuch eines typischen rumänischen Hauses. Elena erzählt aus dem Alltag auf dem Lande und von alten Bräuchen und Traditionen. Abschlussabend  und Nachtessen im Kinderheim Panatau

 

Faszinierende Landschaft bei den Schlammvulkanen

 

Samstag, 19. September:          Fahrt zum Flughafen Bukarest / Rumänisches Mittagessen in der Casa Romaneasca. Abflug um 16.00 Uhr nach Zürich (17.25)

 

*UNESCO-Weltkulturerbe

 

Unsere Fahrstrecke durch Rumänien: 

Reisekosten:

CHF 1‘400.–/Person bei 10 Personen plus effektive Flugkosten bei Buchung

  1. CHF 300.00 – 400.00

Einzelzimmerzuschlag: CHF 120.00

 

Inbegriffen:

Transport in Kleinbus

9 Übernachtungen im Doppel- oder Zweibettzimmer in *** Pensionen

Vollpension auf der ganzen Reise ohne Getränke

Besichtigungen, Ausflüge und Eintritte gemäss Reiseprogramm

Deutschsprachige Reisebegleitung

 

Nicht inbegriffen:

Reiseversicherungen

Getränke

Trinkgelder

persönliche Ausgaben

 

Teilnehmerzahl:

6 – 15 Personen

 

Anmeldung bis spätestens 31. Januar 2020 an:

 

rumänienreisen.ch                                                        oder per Mail an: office@rumaenienreisen.ch

Frikartstrasse 1

4800 Zofingen

 

mit Namen und Vornamen

Adresse und Telefonnummer

Mailadresse

Geburtsdatum

Angabe ob Einzel- der Doppelzimmer

 

Für Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung:

 

Stephan Büchi – rumänienreisen.ch

Tel. 062 751 25 25 oder per Mail

Jahresbrief 2019

An die Freundinnen und Freunde, Gönnerinnen und Gönner des Kinderheimes Panatau

The bicycle team!

In diesem Jahr sind die letzten drei Kinder bei uns eingezogen. George, der älteste von allen, sowie die Geschwister Alina und Ion. Nun ist das Heim mit insgesamt elf neuen Kindern aus- gelastet.

Alina (13) und Ion (12) wurden nach dem Tod ihrer alleinerziehenden Mutter bei ihrer Gross- mutter untergebracht. Die alte, in grosser Armut lebende Frau war jedoch mit der Fürsorge der beiden Kinder überfordert, sodass sie zu uns nach Panatau kamen. Ion verfügt nur über einen sehr kleinen Wortschatz und geringes Selbstvertrauen. Er hat immer noch Respekt vor ihm unbekannten Situationen, sodass er oft ermutigt werden muss, Neues auszuprobieren. Als die Gruppe mit dem Auto einen Ausflug machen und abfahren wollte, versteckte er sich beispiels- weise hinter dem Haus. Auf dem Fahrrad, das ihm bald nach seiner Ankunft geschenkt wurde, fühlt er sich hingegen pudelwohl. In den Rasen vor dem Haus haben sich bereits tiefe Spuren eingegraben, so oft fährt er «seine» Rennstrecke mit grossem Elan ab. Alina, seine jüngere Schwester, ist seit ihrer Ankunft schon merklich aufgeblüht. Sie hat mittlerweile weniger Mühe, sich situationsgerecht auszudrücken, und sie hat sogar ein neues Hobby entdeckt: Lesen! Man findet sie oft auf dem Sofa, tief in eine Geschichte versunken.

Beide Geschwister feierten kürzlich ihren Geburtstag – und beide erhielten ihren ersten richti- gen Geburtstagskuchen mit Kerzen, dazu ein begleitendes Lied und ein paar kleine Geschenke. Die Situation war für sie so aussergewöhnlich, dass sie wie erstarrt wirkten. Beim Öffnen der Geschenke stellten sie sich ungeschickt an, sie getrauten sich kaum, das Papier aufzureissen. Nun werden sie, gemeinsam mit den anderen Kindern, noch einige Geburtagsfeiern miterleben und sich sicherlich bald an die positive Aufmerksamkeit gewöhnen.

George (16) gehört zu den Kindern, die bei Eintritt ins Heim nie eine Schule besucht haben. Seit er sieben Jahe alt ist, musste er unter miserablen Bedingungen arbeiten, um ein Zusatz- Einkommen für seinen alkoholabhängigen Vater zu verdienen. Die Mutter hat sich schon früh «aus dem Staub» gemacht. Was er kann, hat er sich selbst beigebracht, dennoch fehlen ihm

Ann Schumacher, Eichstrasse 88, 8713 Uerikon, Tel. 044 / 923 40 89 Email: kinderheimpanatau@gmail.com

wesentliche Grundlagen beim Schreiben, Lesen und im Allgemeinwissen. George ist ein äus- serst charmanter Jüngling. Wenn er lächelt, strahlt sein ganzes Gesicht. Er ist aber auch ein richtiges Schlitzohr und steckt zudem mitten in der Pubertät – und fodert so das Team immer wieder stark heraus.

Lustig, aber auch etwas anstrengend, ist die Tatsache, dass alle unsere vorpubertären Teens quasi über Nacht auch in die Pubertät geraten zu sein scheinen – in ihrem Bestreben, dem char- manten Neuankömmling zu gefallen und ihm nachzueifern.

Wir könnten Ihnen an dieser Stelle noch viel von den anderen Kindern berichten. Einige von ihnen haben sich im letzten Jahr beachtlich weiterentwickelt und wir durften insgesamt viele schöne Veränderungen miterleben. Leider würde das den Rahmen dieses Briefes sprengen. Aber seien Sie versichert: Nächstes Jahr erfahren Sie mehr.

Für diejenigen von Ihnen, welche die letzte Generation von Kindern über die Jahre begleitet bzw. finanziell unterstützt haben, gibt es eine schöne kleine Anektote: Elena, Bogdan und Ste- fan verfügen nun über ihr eigenes, bescheidenes Einkommen. Dank Ihrer Vorbildrolle haben sie sich dafür entschieden, die Patenschaft für eines der neuen Kinder zu übernehmen. Sie sind sich bewusst, dass sie dadurch etwas von dem weitergeben können, was sie selbst über viele Jahre erhalten haben.

Zuguterletzt möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass wir mit den Kindern möglichst viele Aktivitäten durchführen, die dazu beitragen, ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. Es han- delt sich um Ausflüge und Spiele, die den Gruppenzusammenhalt stärken indem es erforderlich ist, gemeinsam und spielerisch Lösungen für vorgegebene Abenteuer zu finden, die alleine nicht bewältigt werden könnten. So erleben sie schöne und lehrreiche Momente.

Dies alles ist nur Dank Ihnen möglich!
Liebe Spenderinnen und Spender, wir bedanken uns im Voraus ganz herzlich für jede Spende.

Fotos von 2019

Jahresbrief 2018

November 2018

Panatau – Rückblick 2018

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

In den letzen 23 Jahren sind im Kinderheim Panatau zwei Generationen aufgewachsen und haben sich auf das Leben vorbereitet. Das war nur dank Ihren Spenden möglich! Wir möchten einmal mehr unsere Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen.

In Rumänien dürfen gemäss neuen Kindsschutzgesetzen geistig beeinträchtigte, volljährige Personen nicht mit Minderjährigen unter einem Dach leben. Aus diesem Grund haben wir das kleine, alte Haus direkt hinter dem Kinderheim günstig erworben. Es heisst nun CASA VISTARA. In den drei Zimmern wohnen Daniel, Ionut und Pria (auf dem Umschlagfoto mit Blumenstrauss), welche lebenslang auf Begleitung angewiesen sein werden. Wer sie kennt, versteht, dass sie nicht in eine staatliche Psychiatrie gehören, und andere Institutionen sind in Rumänien für solche Menschen immer noch nicht vorhanden.

Von den Jugendlichen, welche die meisten von Ihnen schon länger kennen, lebt nur noch Andrei im Heim. Er wird die Schule in einem Jahr abschliessen. Mit verschiedenen massge-schneiderten Trainigs arbeiten wir daran, ihn auf ein selbständiges Leben vorzubereiten. Trotz aller Bemühungen fällt dies oft nicht leicht, denn er lässt sich nur sehr ungern auf Veränderun-gen ein. Es braucht immer wieder viel Motivation, ihn für Neues zu gewinnen.

Wie Sie bereits wissen, leben nun acht neue Kinder im Heim, wovon das Jüngste vier Jahre alt ist. Alle diese Kinder lebten zuvor in äusserst prekären familiären Verhältnissen, wie sie in der Schweiz kaum denkbar sind. Alexandru (5) konnte sich beim Einzug weder alleine anklei-den noch waschen, und er konnte sich auch kaum ausdrücken. Durch viel Zuwendung und Me-thoden wie bespielsweise das therapeutische Geschichtenerzählen, ist er heute ein altersentspre-chend selbständiges Kind geworden. Georgiana (8) hat sich anfänglich wie ein Kleinkind ver-halten. Da sie von ihrer Mutter keinerlei Zuwendung erhielt, setzte sie alles daran, um „gehät-schelt“ und umsorgt zu werden. Sie bat ihre ältere Schwester, mit welcher sie im Heim wieder zusammengeführt wurde, ständig um Hilfe für Dinge, die sie eigentlich konnte. Schritt für Schritt wurde Georgina darin unterstützt, Selbstvertrauen zu entwickeln. Das Team bat sie so oft als möglich um Hilfe bei einfachen Verrichtungen, damit sie kleine Verantwortlichkeiten 2

übernehmen konnte. Jeder noch so kleine Fortschritt wurde mit viel Lob quittiert. Jetzt besucht sie die zweite Klasse und ist ein fröhliches, freundliches und neugieriges Mädchen.

Andreea (11) hatte beim Eintritt in die Schule grosse Konzentrationsschwierigkeiten. Wir stell-ten für sie ein individuelles Lernprogramm mit vielen Konzentrationsübungen zusammen. Zu-dem wurde ein Spezialist für Lernbehinderungen konsultiert. In der Schule hat sie jetzt ein ein-facheres Lernprogramm, wodurch sie deutlich entlastet ist. Andreea ist ein emotional stabiles Kind und sie kann schnell Freundschaften schliessen. Auch Nicoleta (13) war beim Eintritt ins Heim stark verunsichert. Heute erwähnt sie immer wieder, dass sie glücklich ist, in der Familia Amurtel zu wohnen, und dass sie hier Dinge erlebt und sieht, die ihr zuvor unbekannt waren. Sie ist ein anhängliches Mädchen, das viel Zuwendung sucht.

Die Brüder Gabriel (6) und Nicu (11) wollten anfangs alles nur zusammen machen. Es dauerte eine Weile, bis sie in der Lage waren, ihren jeweiligen Verpflichtungen im Kindergarten und der Schule getrennt nachzugehen. Ihre Eltern besuchen sie nur sehr selten im Heim, mehr Kon-takt haben sie zu ihrem älteren Bruder, der in der Nähe arbeitet. Lorena ist mit vier Jahren die Jüngste in der Gruppe. Sie neigte beim Eintritt ins Heim zu aggressivem Verhalten anderen gegenüber, war gleichzeitig in sich gekehrt und wirkte verängstigt. Sie ass nur Reis, Brot und Suppe, alle anderen Speisen verweigerte sie. Die anderen Kinder schienen jedoch Verständnis für ihr Verhalten zu haben

Jahresbrief 2017

Panatau – Rückblick 2017

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

Bereits im letzten Jahresbrief teilten wir mit, dass vier neue Kinder ins Heim eingezogen sind, und die Aufnahme eines weiteren Geschwisterpaars wurde angekündigt. Gerne möchten wir von den sechs Kindern berichten und im Anschluss einen Ausblick auf die Zukunft des Heims geben.

2016 stiessen Nicoleta, Andreea, Georgiana und Alexandru zu uns. Die vier Geschwister wur-den nach einer grossen Leidensgeschichte getrennt untergebracht und geniessen es nun, wieder zusammen zu sein. Nicoleta (12) übernimmt die Rolle der Beschützerin für die kleineren Ge-schwister. Mit Argusaugen wacht sie darüber, ob diese mit ihren Bedürfnissen auch tatsächlich ernst genommen werden, und sie setzt sich als Sprachrohr für sie ein. Ihr schulisches Defizit versucht sie mit viel Energie aufzuholen, was ihr meistens gelingt. Nicoleta hat diverse gesund-heitliche Probleme. Andreea (10) hat grosse Mühe mit Lernen, weshalb für ihn ein schulisches Spezialprogramm erstellt wurde. Erfreulicherweise kann dieses an der örtlichen Schule durch-geführt werden. Er ist ein ruhiger und freundlicher Junge. Georgiana besucht die erste Klasse. Ihr bereitet das Lernen keine Probleme und sie ist mitteilsam und kreativ. Alexandru (5) ist im Kindergarten gut integriert. Er ist ein fröhlicher Junge voller Energie. Als Jüngster erfährt er von der Gruppe viel Aufmerksamkeit. Auch die Brüder Nicu (11) und Gabi (5) sind mittlerweile bei uns eingezogen. Aufgrund der schwerwiegenden Vernachlässigung durch die Eltern sind zwei ihrer Geschwister gestorben. Beide Buben erfreuen sich dennoch guter Gesundheit und sind neugierig und aufgeweckt. Unser Team setzt sich jeden Tag dafür ein, dass sie mit ihren Verhaltensschwierigkeiten immer besser umzugehen lernen.

Von den Jugendlichen wohnen noch Florin, Andrei, Daniel und Ionuts bei uns, zusammen mit den geistig behinderten Priya und Ionuts Gabriel.

Da das Team vom Kinderheim Panatau über grosse Erfahrung im Umgang mit vernachlässigten und traumatisierten Kindern verfügt, und weiterhin ein Bedarf an angemessenen Unterbrin-gungsmöglichkeiten besteht, plant der regionale Kinderschutzbund die Platzierung von zwei weiteren Kindern im Heim. In Rumänien bestehen immer noch Probleme mit sozial äusserst schwachen Familien, die keine, oder zumindest keine passende Unterstützung erhalten. Wenn die Missstände dann nicht mehr tragbar und für alle unübersehbar sind, werden die Kinder in staatlichen Institutionen untergebracht, welche nach wie vor nicht kindgerecht sind. Rumänien hat wirklich noch grossen Entwicklungsbedarf!

Damit das Kinderheim Panatau weiterhin erhalten werden kann, sind wir mittelfristig auf staat-liche Subventionen angewiesen. Viele Menschen spenden heute vorzugsweise zugunsten einer der vielen Kriegsregionen, als in ein EU-Land. Das initiierte Antragsverfahren für Subventio-nen wird aber lange dauern und gestaltet sich aufgrund der vielen bürokratischen «Leerläufe» schon jetzt schwierig. Zudem ist ungewiss, ob sie in genügendem Umfang bewilligt werden, denn Rumänien ist immer noch ein armes Land.

Somit sind wir mehr denn je auf unsere treuen SpenderInnen angewiesen, die es uns weiterhin ermöglichen, den Kindern und Jugendlichen ein zuhause zu bieten. Wir bedanken uns im Vo-raus ganz herzlich für jede einzelne Spende, die dazu beiträgt.

Jahresbrief 2016

Panatau – Rückblick 2016

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

Im vergangenen Jahr fanden zwei wichtige Ereignisse statt. Das eine war das 20-jährige Ju-biläum des Kinderheimes, das andere der Einzug von vier Geschwistern.

Das Jubiläumsfest soll als Anlass dienen, einen kurzen Rückblick auf bewegte Jahre vorzu-nehmen.

Im Jahre 1995 nahm das Kinderheim achtzehn Kinder auf, welche zuvor in staatlichen Hei-men unter unwürdigen Umständen lebten. Das neu zusammengestellte Betreungsteam musste sich nun mit achtzehn teilweise äusserst schwierigen Lebensgeschichten auseinandersetzen und immer wieder nach individuellen Lösungen für die mehrheitlich traumatisierten Kinder suchen. Das Engagement zahlte sich aus – nach einer gewissen Zeit war im Haus das erste Lachen zu vernehmen und kindlicher Übermut und Schabernack ersetzten immer häufiger das tiefsitzende Gefühl von Unsicherheit.

Aus den Kindern sind mittlerweile junge Erwachsene geworden und die meisten haben, wenn auch mit vielen Umwegen, ihren Platz im Leben gefunden. Timea und Iosif haben geheiratet, Magdalena und ihr Partner leben mit der gemeinsamen Tochter zusammen, Elvira hat kürzlich ein Mädchen zur Welt gebracht und lebt mit ihm bei ihrem neuen Freund.

Das 20-jährige Bestehen des Heimes feierten die Angestellten und Jugendlichen zusammen mit Freunden, einigen langjährigen Spendern, politischen Amtsträgern aus dem Bezirk sowie mit Angestellten von anderen Kinderheimen aus der Region. Es wurden erheiternde, aber auch berührende Ansprachen gehalten. In den Reden der Mitarbeitenden wurde beispielsweise von den Anfängen des Projektes erzählt, als man in einfachsten – gar primitivsten – Verhält-nissen ohne jegliche Infrastruktur lebte. Betrachtet man das schmucke Haus heute, ist dies kaum mehr vorstellbar. Zur Unterhaltung zeigten die Jugendlichen Ausschnitte aus Theater-stücken, welche sie während vielen Jahren für die lokale Bevölkerung aufgeführt hatten. Alle Jugendlichen waren anwesend, auch diejenigen, die nicht mehr im Heim wohnen. Die Stim-mung war ausgelassen und unbeschwert.

Nun zum zweiten wichtigen Ereignis des letzten Jahres. Wie bereits erwähnt, sind vier Kin-der in das Heim eingezogen. Die Mädchen lebten zusammen mit zwei weiteren Geschwis-tern und ihren Eltern im Nachbarsdorf. Schon vor längerer Zeit wurde der Kinderschutzbund auf die unhaltbaren Zustände in der Familie aufmerksam gemacht.

Die Familie lebte in zwei kleinen Zimmern, in welchen weder eine sanitäre Einrichtung, noch eine Kochgelegenheit oder Elektrizität vorhanden waren. Gekocht wurde draussen auf dem offenen Feuer. Die Zimmer verfügten über keinerlei Mobiliar und es gab kaum genügend Platz zum Schlafen für alle. Die Behörde versuchte erfolglos, die alkoholabhängigen und ar-beitslosen Eltern mit verschiedenen Massnahmen zu unterstützen.

Vor zwei Jahren wurden deshalb die beiden älteren Mädchen in einem staatlichen Kinderheim und die beiden Kleineren in verschiedene Pflegefamilien platziert. Die vier Geschwister wa-ren somit an drei verschiedenen Orten untergebracht. Die Eltern konnten sie wegen der gros-sen Distanzen und dem fehlenden Fahrgeld kaum besuchen, und die Mädchen litten sehr unter der Trennung. Deshalb suchte die zuständige Behörde für die Kinder einen Ort, wo sie zu-sammen leben können.

Obschon der örtliche Vorstand des Kinderheims Panatau nicht plante, erneut jüngere Kinder aufzunehmen, konnte er die entsprechende Anfrage der Behörde in dieser Situation nicht ab-lehnen – und die Vier zogen im Frühling dieses Jahres ein. Nun können sowohl die Eltern als auch die beiden ältesten Geschwister die Mädchen häufiger besuchen.

Das älteste Mädchen, Nicoleta (11), geht in die vierte Klasse. Sie hat erhebliche gesundheitli-che Probleme und ist auf teure Medikamente und aufwändige Betreuung angewiesen. Das zweitälteste Mädchen, Andrea (9), geht in die zweite Klasse. Georgiana (6) geht in die Vor-schulklasse, und Alexandru (3) besucht den Kindergarten. Alle vier Kinder schlafen im glei-chen Zimmer und sind froh darüber, wieder zusammen zu sein. Sie haben sich gut im Heim eingelebt und sind auch in der neuen Schule und im Kindergarten freundlich empfangen wor-den.

Derzeit plant die Kinderschutzgruppe des Bezirks Panatau eine weitere Platzierung von zwei jüngeren Geschwistern im Heim.

Damit das Kinderheim Panatau weiterhin bestehen und ein Zuhause für die neuen Kinder und verbleibenden Jugendlichen sein kann, sind wir auf Ihre Treue mehr denn je angewiesen. Im Namen aller Jugendlichen, Angestellten sowie des Vereins danken wir einmal mehr ganz herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung.

Jahresbrief 2015

Panatau – Rückblick 2015

Verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Spenderinnen und Spender

Dank Ihrer treuen Unterstützung und unserem stetigen Bemühen ist es auch dieses Jahr ge-lungen, unseren Youngsters die nötigen materiellen und moralischen Grundlagen für ein gutes Leben im Heim anbieten zu können. Das Ziel unserer Arbeit bleibt dasselbe: Die jungen Men-schen sollen – ihren Ressourcen entsprechend – dereinst ein möglichst selbständiges Leben führen können.

In den letzten Jahren haben einige Jugendliche das Heim verlassen – stets Richtung Bukarest. Einerseits gibt es dort am meisten Arbeitsplätze, andererseits wollen die meisten ohnehin die ländliche und in mancherlei Hinsicht rückständige Region verlassen. Das Betreuungsteam pflegt mit allen „Ausgeflogenen“ regelmässigen Kontakt. Wenn immer nötig, stehen wir ihnen zur Seite. Das ist öfter der Fall, als wir uns das manchmal wünschen, denn der Schritt in das Berufsleben gestaltet sich für diese Jugendlichen ausserordentlich schwierig. Dies hängt massgeblich mit der immer noch nicht vorhandenen sozialen Infrastruktur in Rumänien zu-sammen. Dieser Umstand erschwert es unseren in verschiedener Hinsicht benachteiligten Ju-gendlichen, in der Gesellschaft Fuss zu fassen. In der Schweiz würde diesen jungen Menschen ein breites Spektrum von Arbeitsstellen auf dem zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, und sie würden auf ihrem Weg in die Selbständigkeit durch Jugendcoachs begleitet. In Rumä-nien sind sie ohne unsere Unterstützung gänzlich auf sich gestellt. Sie würden nicht einmal Sozialhilfebeiträge erhalten, denn für den Lebensunterhalt ist bis heute das familiäre Netz verantwortlich.

Damit wir die Jugendlichen, die noch im Heim wohnen, bestmöglich auf diese Situation vor-bereiten können, haben wir in der Umgebung von Panatau sogenannte „geschützte Arbeits-plätze“ für sie geschaffen. Wir arbeiten beispielsweise mit der Pension Valea Lupului zu-sammen, in welcher die Jungs und Mädels in ihrer Freizeit stundenweise als Hilfskraft in den verschiedenen Bereichen mithelfen können. Dort werden sie entsprechend ihren Möglichkei-ten gefördert, ohne dass sie bereits in der freien Marktwirtschaft bestehen müssen. Weiter

arbeiten sie auf unserem Bio-Gemüsehof mit. Dort sind sie in den ganzen Kreislauf der Ge-müseproduktion eingebunden. Für Ionut, Andrey und Daniel sollen hier aufgrund ihrer geisti-gen Beeinträchtigung längerfristige Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Um das eigenständige Leben auch im privaten Bereich einzuüben, geben wir unseren Jungen die Gelegenheit, ihre Zimmer ganz nach ihrem Geschmack einzurichten. Aus den Hilfsgütern, die nach wie vor aus der Schweiz eintreffen, dürfen sie sich die Möblierung und Dekorations-gegenstände aussuchen und so ihre Umgebung gestalten.

Auch dieses Jahr sind wir im Herbst damit beschäftigt, die Vorräte für den Winter vorzuberei-ten. Wir frieren das eigene Gemüse ein, stellen Eingemachtes her und es werden verschiedene Konfitüren gekocht und abgefüllt. Die Jugendlichen helfen dabei, sodass sie auch in diesem Bereich auf das eigenständige Leben vorbereitet werden. Solche pädagogischen Überlegun-gen werden in staatlichen Heimen oft noch nicht praktiziert.

Wir achten auch darauf, dass die Jungen lernen, mit ihrer Freizeit sinnvoll umzugehen. Ge-sellschaftliche Fähigkeiten, aber auch Erholung – beides ist wichtig und hat seinen Stellen-wert. Wir befürworten deshalb, dass sich unsere Jungen mit gleichaltrigen aus dem Dorf tref-fen und an verschiedenen kulturellen und traditionellen Anlässen teilnehmen. Geburtstage, Sportanlässe, Wanderungen und Exkursionen stellen wichtige Ereignisse im Jahresablauf dar. Das fünftägige Pfadfinderlager während der Sommerferien stellt jedes Jahr den absoluten Hö-hepunkt dar! Die Jugendlichen sind jeweils ganz aufgeregt vor Vorfreude und „zehren„ noch lange von dem dort erlebten Abenteuer.

Zurzeit stehen wir in engem Kontakt mit den Kreisbehörden für Kindesschutz. Wir möchten jungen Frauen, die teilweise noch vor Erreichen der Volljährigkeit aus staatlichen Heimen austreten, die Möglichkeit bieten, von unseren bewährten Strukturen und unserer grossen Er-fahrung zu profitieren. Wie bereits erwähnt, wurden sie oft kaum auf das Leben ausserhalb der Institution vorbereitet. Wir wollen deshalb in einem Teil unseres Hauses eine begleitete Wohngruppe einrichten, damit sie nicht durch das Netz fallen beim Schritt aus einem „vollbe-treuten“ in ein „völlig eigenständiges“ Leben. Somit hat unser seit zwanzig Jahren bestehen-des Projekt eine Zukunft mit Strahlkraft für die ganze Region.

Damit das Kinderheim Panatau weiterhin bestehen und ein Zuhause für die Jungen sein kann, sind wir auf Ihre Treue angewiesen. Im Namen aller Jugendlichen, MitarbeiterInnen sowie des Vereins danken wir einmal mehr ganz herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung.

Jahresbrief 2014

Jahresbrief aus Panatau

Auf Englisch verfasst von Luminita Bratucu, Betreuerin (September 2014) Übersetzt von Ann von Schumacher

Liebe Gönnerinnen und Gönner

Vorab danken wir Ihnen herzlich für Ihre Spenden. Mit Ihrer Unterstützung konnten wir auch dieses Jahr viele der Ziele erreichen, die wir uns gesteckt hatten.

Zurzeit leben noch neun junge Menschen in unserer „Heim-Familie“. Stefans Versuch, bei seiner Mutter in Spanien zu leben, ist nicht gelungen. Er ist deshalb wieder nach Panatau zu-rückgekehrt. Dafür ist Elvira mit 24 Jahren endgültig ausgezogen. Sie hat sich einer Pfingst-gemeinde angeschlossen. Der neu gefundene Glaube hilft ihr im Umgang mit ihrer äusserst schwierigen Biographie.

Zwei unserer Jungs, Ionuts und Florin, konnten diesen Sommer die Primarschule abschlies-sen. Das grosse Schulabschlussfest war ein wichtiger Moment in ihrem Leben. Von nun an werden die beiden eine andere Schule besuchen und viele neue Menschen kennenlernen. Ele-na schloss dieses Jahr das Gymnasium ab. Für sie ist noch nicht klar, wie es weitergehen soll – welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchte. Bogdan wurde dieses Jahr volljährig. Er durfte nun endlich die langersehnten Fahrstunden nehmen. Florin und Andrei besuchen wei-terhin ihren Tanzunterricht. Sie tun dies mit viel Spass und einigem Erfolg.

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass wir in Poieni, 10 km von Panatau entfernt, einen gros-sen Bio-Gemüsegarten haben. Das Gemüse dient hauptsächlich der Selbstversorgung, es wird aber auch nach Bukarest verkauft. Der Erlös kommt dem Heim zugute. Unsere Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich dort ihren ersten Lohn zu erwerben. Für einige soll er später auch als geschützter Arbeitsplatz dienen – etwas, was es in Rumänien leider immer noch nicht gibt. Auch in der von Cornelia Fischer aufgebauten Pension Valea Lupului haben einige Jugendli-che die Möglichkeit, während der dreimonatigen Sommerferien oder an einem speziellen Festanlass im geschützten Rahmen in verschiedene Arbeitsbereiche eingeführt zu werden und ein kleines Taschengeld zu verdienen. Es wird jede Woche ein neuer Arbeitsplan erstellt, auf dem die verschiedenen Arbeiten zugeteilt werden. Die Ämtlis sind bei den Jugendlichen sehr beliebt, sie streiten sich manchmal regelrecht darum.

Dank Ihrer Spende konnten wir in diesem Jahr dreissig Hühner kaufen. Die Jugendlichen kümmern sich mit viel Hingabe um das Federvieh. Nun kann auch der Bedarf an frischen Ei-ern aus dem eigenen Bestand gedeckt werden. Sie können sich nicht vorstellen, welchen Ap-petit unsere Halbwüchsigen haben! Jeden Tag muss eine grosse Menge Essen für die „Rassel-bande“ zubereitet werden.

Wir sind in Panatau aber nicht nur am Arbeiten, sondern wir gehen auch anderen wertvollen Aktivitäten nach. Auch dieses Jahr durften die Kids fünf Tage lang verreisen – und weil es ihnen im letzten Jahr so gut gefallen hat, taten sie dies wiederum mit der Organisation „Out-ward Bound“. Dieses Mal übernachteten sie im Zelt in den Bergen. Um zu dem Zeltplatz zu Postcheckkonto 80-500-4, Credit Suisse Zürich, zugunsten Konto 302 11-11 Kinderheim Panatau

gelangen, musste die Gruppe zuerst selber eine Seilbrücke über dem Bach installieren. Das Essen musste selber mitgebracht und das Wasser vor Gebrauch abgekocht werden. In der Nacht war es so heiss, dass niemand im Zelt, sondern alle draussen unter dem Sternenhimmel schliefen. Ihren Mut konnten die „Youngsters“ in der Kletterwand oder in allerlei Gruppen-übungen beweisen.

Unseren beiden behinderten Jugendlichen Ionuts und Pria konnten wir wiederum Ferien in einem Behindertenheim in Bukarest ermöglichen. Das private Heim Prietenia (Freundschaft) bietet Betreuung und Aktivitäten an, die speziell auf die Bedürfnisse von Behinderten abge-stimmt sind. Pria und Ionuts freuen sich jeden Sommer auf diese Abwechslung und sie warten jeweils ungeduldig darauf, ihre Freunde von dort wieder zu sehen. Das Heim bietet allerdings nur Wochenplätze an, an den Wochenenden kehren die Jugendlichen zu ihren Familien heim. Ionuts und Pria durften ausnahmsweise zu einer Angestellten nach Hause. Leider kommt das Heim aus diesem Grund nicht als längerfristige Lösung für Ionuts und Pria in Frage.

Nun denn: Auch der schönste Sommer geht vorbei und wir dürfen wie immer nicht vergessen, unsere Vorratskammer für den Winter aufzufüllen. Wir haben bereits die verschiedensten Gemüsesorten verarbeitet und entweder in Gläser abgefüllt oder zum Tiefgefrieren einge-packt. Nach der Gemüsesaison kommt nun die Zeit des Obstes, welches wir zu Kompott und Konfitüre verarbeiten werden.

Nach den langen Sommerferien bereiten sich unsere Schüler und Schülerinnen auf das neue Schuljahr vor – es mussten somit auch dieses Jahr Schuluniformen, Bücher und Hefte gekauft werden.

Die Jugendlichen und MitarbeiterInnen des Kinderheimes Panatau danken einmal mehr für Ihre wertvolle Unterstützung.

Das Vorstandsteam schliesst sich diesem Dank an und verbleibt mit den besten Grüssen.